Die Karaffe oder die Macht der Worte

 

Als der alte Pfarrer in den Ruhestand ging, empfahl er seinem Nachfolger, sein Leitungswasser erst in eine bestimme Glaskaraffe zu füllen und vor dem Trinken eine Viertelstunde abzuwarten:

„Es ist ein Experiment. Diese Karaffe ist besonders, aber das sollst du erst selbst erleben. Trinke 90 Tage nur Wasser, das du vorher in diese Flasche gefüllt hast, und das mindestens 15 Minuten darin war.

Spüle diese Karaffe nicht. Du kannst einen Teller oder Deckel locker auf die Öffnung legen, wenn du möchtest. Das ist aber nicht notwendig. Das Wasser hält sich mindestens einen Tag frisch.

Schütte noch vorhandenes Wasser am nächsten Tag in deine Blumen, sie werden es dir danken. Dann fülle die Karaffe mit neuem Wasser und immer erst, wenn sie leer ist. Fülle nicht nach!

Hier ist ein Brief von mir, den kannst du nach Ablauf der 90 Tage öffnen. Er erklärt dir, was es mit der Karaffe auf sich hat.“

Der junge Pfarrer, ein aufgeklärter moderner Mann, fand das alles sehr merkwürdig. Aber weil der alte Pfarrer ein sehr angesehener und sehr weiser Mann war, führte er das Experiment wie angegeben durch.

Nach 90 Tagen war ihm das Befüllen der Karaffe schon zur Gewohnheit geworden, und das Wasser schmeckte ihm nicht schlecht. Bald besser als sein Mineralwasser.

Ein paar Tage später fiel im der Brief des alten Pfarrers wieder ein. Abends, bei einem Glas seines neuen Lieblingswassers, öffnete er ihn und las:

Mein lieber Nachfolger,

du fragst dich bestimmt, was es mit der Karaffe auf sich hat. Nimm dir Zeit, ich werde es dir jetzt erzählen.

Eines Tages kam ein alter Mann in meine Pfarrei, der mich unbedingt sprechen wollte.

„Worum geht es?“ fragte ich.

„Um die Macht der Worte!“ sagte er. „Du bist doch ein Mann der Worte, so als Pfarrer?“

„Ja natürlich!“ sagte ich.

„Gut.“ sagte er. „Aber bevor wir starten können, benötigst du noch eine Karaffe aus Glas!“

„Ich verstehe nicht!“ sagte ich.

„Beschaff dir eine Karaffe.“ sagte er. „Morgen früh komme ich wieder vorbei!“

Und er ging ohne ein weiteres Wort.

„Merkwürdig…“ dachte ich. Aber im Laufe des Tages war so viel zu erledigen, da hatte ich den Mann völlig vergessen.

Am nächsten Morgen war er wieder da.

„Hast du die Karaffe?“ fragte er.

„Nein“ sagte ich.

„Gut, dann komme ich morgen wieder“ sagte er und ging.

So ging das ab jetzt jeden Morgen.

„Karaffe?“ „Nein“ „Bis morgen!“

Nach einer Woche wurde es mir zuviel.

„Du kommst jeden Morgen und fragst nach einer Karaffe!“

„Hast du denn jetzt eine?“

„Nein!!!“

„Siehst du, deshalb frage ich. Bis morgen!“ sagte er und ging.

Am Nachmittag beim Einkaufen kaufte ich die billigste Glaskaraffe, die ich finden konnte. Damit der Besucher endlich verschwand. Ich freute mich schon auf sein Gesicht, wenn ich ihm die Karaffe zeigte.

Am nächsten Morgen kam er wieder: „Hast du eine Karaffe?“

„Ja!“

„Aus Glas?“

„Ja!“

„Hast du sie gut gespült?“

„Nein!“

„Gut ich komme morgen wieder. Bitte spüle die Karaffe gründlich!“

Ah super. Jetzt sind wir von der Karaffe zur gespülten Glaskaraffe vorangekommen.

Und er will wiederkommen. Was denkt der sich eigentlich? Bin ich hier die Haushaltshilfe oder der Pfarrer??

Und er kam jeden Morgen wieder zu mir.

Nach einer Woche gab ich auf und spülte die Karaffe.

„Schön, dass du die Karaffe jetzt endlich gespült hast!“

„Ja schön. Und was soll das Ganze jetzt??“

„Jetzt ist die Karaffe bereit, in eine magische Wasserkaraffe umgewandelt zu werden. Nur durch die Kraft des Wortes!“

„Diese Karaffe? Das ist die billigste, die ich finden konnte!“

„Das ist völlig unerheblich.“ sagte der Mann.

„Stelle die Karaffe auf diesen Tisch dort, damit ich sie mit Worten umwandeln kann.“

„Gut“ sagte ich, „von mir aus, aber ich habe zu tun. Mach mit der Flasche, was du willst!“

„So sei es. Aber vorher solltest du noch etwas wissen:
Die Karaffe wandelt danach jedes Wasser in Heilwasser um, und das dauert nur 15 Minuten. Und spül die Karaffe nie wieder, damit die Eigenschaft nicht verloren geht!“

„Und du kommst nie wieder?“

„Nicht, wenn du es nicht wünscht.“

„Nein, das wünsche ich nicht! Einen schönen Tag noch!“

„Ebenfalls“, sagte der Mann.

Ich ging in die Kirche, es war höchste Zeit für den sonntäglichen Gottesdienst.

Am Abend sah ich die Karaffe auf dem Tisch stehen. Sie sah aus wie vorher.

Na ja, jetzt habe ich mich so lange mit dem Mann herumgeärgert, dann kann ich auch mal Wasser einfüllen und es probieren. Funktioniert sowieso nicht. Der war doch ein Spinner! Aber ein hartnäckiger, das muss man sagen!

Ich füllte also Wasser in die Karaffe und ließ sie in der Küche auf dem Tisch stehen.

Am nächsten Morgen probierte ich von dem Wasser, und es schmeckte gut.
Ganz anders als das Glas, das ich mir vorher an der Spüle gefüllt hatte.

Ich schüttete das Wasser aus und neues hinein. Jetzt wollte ich es wissen.
Von dem neuen Wasser goß ich mir sofort ein Glas ein. Derselbe Geschmack wie frisch aus dem Wasserhahn gezapft.

Nach einer Viertelstunde probierte ich wieder von dem Wasser aus der Karaffe.
Jetzt schmeckte es wieder gut.

Ich war verwirrt, sollte der alte Mann doch kein Spinner gewesen sein?

Ich machte heimlich weitere Versuche, über Monate.

Eines Tages schmeckte das Wasser schlecht, und nach einer Stunde in der Karaffe immer noch. Ich war schon wieder verwirrt. Aber nicht lange:

„Du, die Karaffe war so ekelig, die habe ich gestern gespült!“ meinte meine Frau am Abend. „Ganz heiß, mit ganz viel Spülmittel. Dass du das Wasser daraus so lange vertragen hast!“

Seitdem probierte ich immer wieder mal, ob die Karaffe sich wieder erholt hatte, aber bisher war das nicht der Fall.

Heute kam ein Testamentsvollstrecker und brachte mir einen Brief.
„Den sollen Sie bei einem Glas guten Wassers lesen!“ meinte er.

„Guten Wassers, was soll das heißen?“ fragte ich.

„Weiß ich auch nicht, schönen Tag noch!“ sagte er und war fort. Vielbeschäftigt, der Mann.

Der Brief enthielt nur eine Seite mit ein paar Zeilen:

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„Mein lieber Schutzgeist.

Ich bitte Dich, veranlasse bitte, daß in  diesem Glasgefäß alles Wasser magnetisch entspannt und plus gepolt wird.

So sei es.

Ich danke Dir für Deine Hilfe. 

Dabei berühren Sie das Glasgefäß mit der Hand.

Und bitten vorher um Schutz und Abschirmung während des Rituals.

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Nun werter Nachfolger, du hast das Wasser 90 Tage lang getrunken.

Wie hat es geschmeckt? Funktioniert der Spruch oder nicht?

Bedenke von nun an jede Deiner Handlungen, Deiner Worte und sogar Deiner Gedanken. Denn nur mit meinen Gedanken habe ich deine Karaffe programmiert.

Viel Erfolg in Deiner Gemeinde,

herzliche Grüße

Der Altpfarrer

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Hier endet die Geschichte über den Pfarrer.

Die beschriebene Programmierung wandelt tatsächlich Wasser in belebtes Wasser um. Das habe ich in Versuchen getestet, die man leicht wiederholen kann.

Man sucht sich die kümmerlichste Zimmerpflanze, die man finden kann, und gießt sie fortan nur noch mit belebtem Wasser aus einem programmierten Glasgefäß.

Unsere Gartenkräuter auf der Fensterbank erholten sich in ein paar Stunden und die Wirkung hält schon einige Tage an. Wasser direkt aus der Leitung zeigte nicht diesen Effekt.

Man besorgt sich zwei identische Karaffen oder Flaschen, spült sie gründlich und programmiert nur eine davon.

Man füllt beide mit Leitungswasser auf, wartet 10 bis 15 Minuten und probiert dann.

Zum Trinken kann man auch Mineralwasser einfüllen, aber da ist der Unterschied nicht so stark zu schmecken.

Die Programmierung hält im Prinzip ewig. Aber Funkwellen und vor allem Microwellen reduzieren die Wirkung. Wenn das Wasser nicht mehr gut schmeckt, sollte die Programmierung erneuert werden.

Wasser hat noch mehr ungewöhnliche Eigenschaften, siehe z.B. auf youtube https://youtu.be/Q_Osih3pGqk – Water – Die geheime Macht des Wassers

Die Wasserwerke Düsseldorf haben am Rhein einen Wasserhahn, aus dem ständig Wasser läuft. Es schmeckt ganz anders als nach dem Transport über die Leitungen in die Wohnungen und Büros. Warum das so ist, erklärt der Film.

Bild 1Vor der Gabe von belebtem Wasser, 05:44 morgens

Bild 2Nach der Gabe von belebtem Wasser, 22:35 abends, am selben Tag

Bild 3: Schnittblumen wie diese Rose entwickeln sich immer zu voller Pracht. Nur in belebtem Wasser, ohne jegliche Zusätze.